Gedanken einer Sommernacht

Eine kleine Lesefrucht aus meiner Sommerlektüre:
„Er hat es sich im Liegestuhl bequem gemacht, kann Arme und Beine ausstrecken und seinen Blick durch den Nachthimmel schweifen lassen.
Es ist geradezu berauschend, dort oben allmählich die Lichter auftauchen zu sehen. Macht die Sonne die Sterne vor den Augen der Menschen unsichtbar, um einen Teil des Universums mit seinem Geheimnis zu verbergen?
Bis zu diesem Abend schien ihm alles ganz klar: Nachts strahlen Sterne, tagsüber sind sie erloschen. Jetzt, unter dem Eindruck der Müdigkeit, der fremden Umgebung und der Hitze kommt ihm dieses Phänomen verdächtig vor, wie ein Versuch, die Menschheit zu täuschen.
Unter dem Tageshimmel gehen die Menschen unbeschwert ihrer Beschäftigung nach, die Sterne aber konfrontieren uns mit unserer Bedeutungslosigkeit und Unwissenheit. Wo endet dieser Sternenhimmel? Gibt es noch andere bewohnbare Planeten? Wie groß ist dieser winzige Punkt, der da in der Ferne funkelt, tatsächlich? Welche Temperatur herrscht dort, woraus besteht er? Sind wir wirklich nur ein vergängliches, in der Unendlichkeit verlorenes Sandkorn?“
aus:
Aude le Corff, Bäume reisen nachts. Roman, Insel, 2014, 978-3-458-36019-3
Zitat S.148 (Pierre)
